Das Kärnten - E-Book

DAS KÄRNTEN AKTUELL 30 Für die Stuttgarter Kickers spielte Matthias Imhof einst in der Bundesliga, mit dem TSV 1860 München stieg er ins Oberhaus des deutschen Fußballs auf, ehe ein Knorpelschaden ihm Knie seine aktive Laufbahn frühzeitig beendete. Doch die Leidenschaft für den Sport lebt der 54-Jährige weiter aus. Seit 2019 ist Imhof bei der Austria Klagenfurt tätig – zunächst in beratender Funktion, später als Sportdirektor und seit Sommer 2022 als Geschäftsführer des Traditionsklubs. Im Interview spricht er über seine Zeit in der Kärntner Landeshauptstadt. Herr Imhof, was geht Ihnen alles durch den Kopf, wenn Sie auf Ihre Anfänge bei der Austria zurückblicken? Matthias Imhof: Das lässt sich in wenigen Worten kaum beschreiben, da könnte ich eher ein Buch füllen. Es begann mit dem Einstieg der SEH Sports & Entertainment Holding aus Hamburg im Frühjahr 2019. Der Verein lag am Boden, spielte in der 2. Liga gegen den Abstieg. Im Wörthersee-Stadion waren Bäume gepflanzt, zu den Spielen auf dem provisorisch hergerichteten Trainingsplatz kamen 300, 400 Zuschauer, die Geschäftsstelle bestand aus zwei Leuten. Ich will nicht zu weit ausholen, aber wenn Sie mich fragen, was mir beim Gedanken daran durch den Kopf geht, dann das: Es ist Wahnsinn, was wir in den vergangenen vier Jahren erreicht haben und ich bin extrem stolz auf unser Team, das diesen Weg möglich gemacht hat. Profifußball gilt ja als „schnelllebiges Geschäft“, in dem Personalwechsel an der Tagesordnung sind. Was ist das Geheimnis des Erfolgs in Waidmannsdorf? Imhof: Der Erfolg ist kein Geheimnis, weil er sich aus meiner Sicht begründen lässt. Sowohl im Präsidium mit Herbert Matschek an der Spitze als auch in der Geschäftsstelle und in der Führung rund um unsere Mannschaft setzen wir auf Kontinuität. Im Laufe der Zeit hat sich das wunderbar eingespielt. Mit Daniela Mayr haben wir eine Klub-Leiterin, die alles im Blick hat, Wolfgang Schellenberg und Robert Micheu bauen den Nachwuchsbereich auf und dann ist da noch Chefcoach Peter Pacult, der sich als absoluter Glücksgriff erwiesen hat. Im ganzen Verein geht es sehr familiär zu, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bringen sich mit viel Herz für die Austria ein. Wie bewerten Sie die sportliche Entwicklung der Violetten? Imhof: Wenn Sie vor vier Jahren durch Klagenfurt gelaufen wären und den Leuten erzählt hätten, dass der Verein im Sommer 2021 in die Bundesliga aufsteigen, in der ersten Saison die Meisterrunde erreichen und auch in der folgenden Spielzeit erneut um die Tickets für das obere Play-off mitmischen würde, dann hätten die meisten Sie für verrückt erklärt. Aber das ist unser Weg gewesen und das ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Die Austria ist im österreichischen Fußball absolut konkurrenzfähig – im Profibereich und auch auf Akademie-Ebene. Das ist großartig. Wie empfinden Sie den Rückhalt in der Stadt? Es ist nach wie vor so, dass die Fans der Austria nicht die Bude einrennen. Imhof: Das ist richtig und ehrlich gesagt tut es schon etwas weh, wenn zum Kärntner Derby gegen den WAC nur 4.500 Zuschauer in die 28 BLACK Arena kommen. Aber es ist nun einmal Tatsache, dass Profifußball in Klagenfurt über einen längeren Zeitraum keine oder eben keine gute Rolle gespielt hat. Das führte dazu, dass der Verein eine ganze Fan-Generation verloren hat und sich das Vertrauen der alten Anhängerschaft erst wieder sehr hart erarbeiten muss. Wir würden gern eine große Euphorie entfachen und das hätte sich unsere Mannschaft sicher auch verdient. Wir sind geduldig und arbeiten fleißig dafür, die Herzen der Leute zu erobern. Die Fans sind das eine, Sponsoren das andere. Wie sieht es an dieser Front aus? Imhof: Es ist deutlich zu spüren, dass das Interesse an der Austria wächst und immer mehr Unternehmen aus der Region die Möglichkeit wahrnehmen, die verschiedenen Bühnen des Vereins nutzen, um sich zu präsentieren. Ob auf dem Trikot der Spieler, auf den LED-Banden im Stadion oder unseren starken Social-Media-Kanälen. Wir haben da wirklich viel zu bieten. Dennoch ist auch in diesem Bereich noch reichlich Luft nach oben und wir werden die Unterstützung weiterer Partner auch brauchen, um Austria Klagenfurt mittel- und langfristig als starke Marke im österreichischen Fußball zu etablieren. „Arbeiten fleißig dafür, die Herzen der Leute zu erobern“ Seit 2019 ist Matthias Imhof bei der Austria Klagenfurt tätig – zunächst in beratender Funktion, als Sportdirektor und nun als Geschäftsführer. © Kuess

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