Das Kärnten - E-Book

DAS KÄRNTEN AKTUELL 10 Nun ist es fix. Die Bierpartei will bei der kommenden Nationalratswahl antreten. Bevor die Partei von Parteichef Dominik Wlazny – besser bekannt unter seinem Künstlernamen Marco Pogo – tatsächlich auf dem Stimmzettel steht, müssen allerdings noch zumindest 2.600 Unterschriften gesammelt werden. Die sind nämlich die Voraussetzung für eine bundesweite Kandidatur. Man kann aber davon ausgehen, dass die Bierpartei diese Hürde nehmen wird. Schließlich war Wlazny bei der Wahl zum Bundespräsidenten 2022 der erste Bewerber, der die dafür nötigen 6.000 Stimmen bei der Wahlbehörde vorgelegt hat. Die Bierpartei will also Prozente bei der Wahl holen. Prozente statt Promille. Stellt sich die Frage inwieweit die Bierpartei der Alkohol- und Psychopharmaka-Partei, vulgo ÖVP, von Bundeskanzler Karl Nehammer gefährlich werden kann. Immerhin ist Dominik Wlazny 2022 bei der Wahl zum Bundespräsidenten mit 8,3 Prozent der Stimmen Dritter geworden. Doch Präsidentenwahlen sind keine Nationalratswahlen. Und bei diesen hat sich die Bierpartei schon einmal eine blutige Nase geholt. So hat sie 2019 den Einzug ins Parlament deutlich verfehlt. Damals stellte sich die Partei nur in Wien der Wahl und erreichte knapp 5.000 Stimmen. Seit der Wiener Gemeinderatswahl 2020 ist Wlazny allerdings Bezirksrat in Simmering. Seine Partei stellt derzeit elf Bezirksräte in der Bundeshauptstadt, verpasste jedoch mit 1,8 Prozent der Stimmen klar den Einzug in den Landtag. Das könnte sich 2024 allerdings ändern. Laut Umfragen stehen die Chancen für Dominik Wlazny nicht schlecht. Bei Umfragen im vergangenen Jahr lag die Bierpartei laut APA-Wahltrend mitunter sogar bei bis zu 12 Prozent und damit sogar vor den NEOS und der grünen Regierungspartei. Dieses Hoch ist allerdings vorbei. Bei Sonntagsfragen von Ende Oktober und Ende November hat sich die Bierpartei bei etwa drei bis vier Prozent eingependelt. Sie kratzt also hart an der Hürde von vier Prozent für den Einzug in den Nationalrat. Humoreske „Ja, wir sind bereit – vorerst“, sagt Wlazny. In den vergangenen Monaten habe man am Aufbau von Strukturen gearbeitet. Das sei in etwa wie „den FC Simmering fit für die Bundesliga zu machen.“ Zuerst müsse man aber die Finanzierung der Partei und der Wahlkampagne sicherstellen und das selbst gesetzte Ziel von 20.000 Mitgliedern erreichen. Wichtig sei ihm dabei die Unterstützung vieler. Großspender wolle man nicht. „Die Bierpartei ist unabhängig, unverbraucht, frei von Eigeninteresse“ denn „Großspendertum schafft Abhängigkeit.“ Das ist insofern nicht frei von Humor, als es Wlazny bis heute nicht geschafft hat, die Spender seiner Präsidentschaftskampagne offen zu legen. Aber vielleicht kommt das ja noch. Programm-Punkte Ebenfalls nicht frei von Humor ist die Tatsache, dass Wlazny, der die Bierpartei 2015 gegründet hat, damit der längst dienende Parteichef Österreichs ist. Aus Spaß dürfte Ernst geworden sein. Alleine die Ankündigung bei der Nationalratswahl anzutreten zu wollen, hat offenbar eine gewisse Mobilisierung ausgelöst. So konnte die Bierpartei in den ersten 24 Stunden eigenen Angaben zu Folge bereits 2.216 Neuzugänge begrüßen. Chancengleichheit, Bildung als Schlüssel zur Integration, Geschlechtergerechtigkeit und mehr Kinderbetreuung waren die Themen, die Wlazny anschnitt. Eine zentrale Forderung seiner Partei seien nach wie vor Eignungstests bzw. öffentliche Hearings für Ministerposten. Die Jugend müsse man mitgestalten lassen und eine „goldene Kreditkarte“ dürfe nicht die Tür zu einer besseren medizinischen Versorgung öffnen. Entscheidungen wolle man „auf Basis von Fakten und nicht Ideologien“ treffen. Alternatives Angebot für Jugendliche und Frustrierte So weit, so gut. Unter dem Strich ist die Bierpartei nichts anderes als eine Protestbewegung, die gut geeignet ist, Unzufriedene und Protestwähler abzuholen. Damit könnte Wlazny von allen Parteien Stimmen abziehen und durchaus den Einzug in den Nationalrat schaffen. Ob das ein Gewinn für die österreichische Politlandschaft ist, wird sich zeigen. Jedoch kann man davon ausgehen, dass im Speziellen Erst- bzw. Jungwähler in Dominik Wlazny ein Angebot sehen. Die etablierten Parteien haben in der Vergangenheit mit Maßnahmen wie Corona, Teuerung, Energie, Mieten usw. viel an Vertrauen bei der gesamten Bevölkerung verloren. Prozente statt Promille – Bierpartei tritt bei den Nationalratswahlen an Alternative für junge, aber auch für enttäuschte und frustrierte Wähler. „Marco Pogos“ Chancen sind für Einzug in den Nationalrat realistisch. Dominik Wlazny, auch bekannt als Marco Pogo ... © Rafael Bittermann

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