Das Kärnten - E-Book

DAS KÄRNTEN AKTUELL 10 Wirtschaftsministerium als Prüfstein oder Ableger für neue VP-Hoffnung? Wolfgang Hattmannsdorfer soll Wirtschaft retten. Im Kielwasser des Ministers fahren ÖVP-Pessimisten und Vernaderer, so Politik-Insider. Noch zu Beginn des Jahres ist der Oberösterreicher Wolfgang Hattmannsdorfer als heißer Kandidat für den Chefsessel der ÖVP gehandelt worden und galt als die Zukunftshoffnung der angeschlagenen Volkspartei, die die Kanzlerschaft eines Karl Nehammer und eine krachende Wahlniederlage zu verdauen hatte. So hat er im vergangenen Jahr den Sprung von Linz nach Wien geschafft und seinen Job als Landesrat zunächst gegen ein Nationalratsmandat eingetauscht. Mit 1. Jänner 2025 wurde er zusätzlich noch Generalsekretär in der mächtigen ÖVP-geführten Wirtschaftskammer. In dieser Position kam ihm die Rolle als Bindeglied zwischen ÖVP-Wirtschaftsbund und ÖVP-Parlamentsklub zu. Er folgte damit dem schwarzen Urgestein Karlheinz Kopf nach – als rechte Hand von Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer, der ihn persönlich aus Oberösterreich abgeworben hat. Nur ein Intermezzo? In Wien angelangt war Hattmannsdorfer gleich einmal in die Regierungsverhandlungen mit der SPÖ und den Neos involviert. Nachdem diese gescheitert waren, folgten wilde Spekulationen um die Führung der Partei. Neben Altkanzler Sebastian Kurz wurde auch der frisch gebackene Wirtschaftskammer-Generalsekretär Wolfgang Hattmannsdorfer genannt, wie es um die Nachfolger von Karl Nehammer gegangen ist. Schließlich hat der ehemalige Landesrat bereits viele Jahre gemeinsam mit der FPÖ in Oberösterreich regiert. Und mit der standen als Alternative zu Neuwahlen Koalitionsverhandlungen an, die wie wir wissen, ebenfalls gescheitert sind. Geklappt hat bekanntlich erst der dritte Anlauf, der letztendlich in der aktuellen Regierung aus ÖVP, SPÖ und Neos mündete. Falsche Weggabelung? Irgendwo dazwischen dürfte die gehypte Zukunftshoffnung Wolfgang Hattmannsdorfer jedoch falsch abgebogen, beziehungsweise von seiner eigenen Partei ins Out geschoben worden sein. Statt ÖVP-Chef und Vize- oder Bundeskanzler ist es aber dann doch noch der Posten des Wirtschaftsministers für ihn geworden. Ob das geplant war oder passiert ist, wissen wir nicht. Es könnte natürlich sein, dass die ÖVP ihre Zukunftshoffnung erst als Minister bekannt machen möchte, bevor sie ihn in die kommenden Nationalratswahlen schickt. Es könnte aber auch sein, dass die Zukunftshoffnung parteiinternen Ränkespielen und Intrigen zum Opfer gefallen ist. Potential hat der Strahlemann aus Oberösterreich jedenfalls. So schreibt etwa der alles andere als ÖVP-freundliche „Standard“ über Hattmannsdorfer: „Zu seinen politischen Stärken zählt neben seinem fotogenen Auftreten seine fundierte Ausbildung: Er studierte in Linz Wirtschaftswissenschaften, darf sich im Gegensatz zu so manchem prominentem Studienabbrecher aus der eigenen Partei Doktor und Magister nennen.“ Altlast professionell weglegen Hattmannsdorfer hat nun die Möglichkeit und Chance sich als Minister derartig zu profilieren, dass weder Partei noch Land an ihm vorübergehen können. Doch das ist keine leichte Aufgabe. Haben doch fünf Jahre SchwarzGrün, unter der Hauptverantwortung der ÖVP gereicht, um den Industriestandort Österreich massiv zu schädigen. Nun will Hattmannsdorfer als Wirtschaftsminister gemeinsam mit SPÖ und Neos bis zum Jahresende eine Wirtschaftsstrategie für den Industriestandort Österreich erarbeiten. „Das ist etwa so, wie wenn ich mir selbst ins Knie schieße und dann einen Arbeitskreis gründe, der in einem Jahr die Behandlungsmethode präsentiert“, kommentiert das der freiheitliche Industrie- und Energiesprecher Axel Kassegger in einer ersten Reaktion. Hausgemachte Probleme Tempo ist angesagt. Denn unsere Wirtschaftsleistung schrumpft weiter und eine Besserung ist nicht in Sicht, denn unser Standort ist unsicher und uninteressant wie noch nie. Das liegt an vielen Faktoren, die meisten sind aber hausgemacht. Hohe Energiekosten und eine ungebremste Inflation führen Planungen ad absurdum, eine Großpleite folgt der nächsten. Hier ist handeln und nicht diskutieren gefragt. Löst Hattmannsdorfer diese Situation, dann stehen ihm alle Wege offen. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. H.K. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer © Parlamentsdirektion/Thomas Topf

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