DAS KÄRNTEN SPORT 25 Ja, die Spatzen haben es schon lange vom riesigen Klagenfurter EM-Stadiondach gepfiffen und vor einem drohenden „Pleitegeier“ gewarnt: Doch die Clubverantwortlichen haben der Austria Klagenfurt trotzdem den sportlichen und finanziellen Abstieg beschert. Begonnen hat das ganze Dilemma bereits in der Saison 2024/2025, nachdem viele Führungsspieler den Verein verlassen mussten. Damit war die sportliche Talfahrt kaum mehr zu stoppen. In der Winterpause hätte man die Reißleine ziehen und den bereits erfolglosen Trainer Peter Pacult vor die Türe setzen müssen. Der ehemalige Erfolgstrainer hatte zuletzt mit seiner Elf eine wahre Niederlagen-Serie produziert. Aus sportlicher Sicht hätte man also schon längst eine Alternative finden müssen. Ein anderer Coach wäre dann möglicherweise in der Winterpause in der Lage gewesen, mit der verbleibenden Zeit eine neue Mannschaft zu formen und zu „beflügeln“. Völlig demotivierend für die Kicker war auch der Umstand, dass Gehälter verspätet ausgezahlt worden sind. Etliche der Spieler hatten plötzlich existentielle Sorgen und bekamen für einen „vollen Einsatz“ am Rasen den Kopf nicht frei. Das hat sich auf die Leistungen ausgewirkt. Dies bestätigt auch die letzte Woche veröffentlichte Umfrage der Spielervereinigung Vdf, bei der die Klagenfurter Austria den mit Abstand letzten Platz belegt. Dabei wurden u. a. folgende Punkte abgefragt: Die Pünktlichkeit der Auszahlung der Gehälter, Klarheit der Verträge, der Informationsaustausch sowie die medizinische Betreuung. Besonders peinlich: Der langjährige Kärntner Traditionsclub Austria Klagenfurt hat dabei mit großem Abstand als schlechtester Verein abgeschnitten. Mittlerweile hat sich auch die Sportgewerkschaft „Younion“ öffentlich zu Wort gemeldet. Sie vertrat jene Spieler, die bis Anfang August die per Vertrag vereinbarten Gehälter von der letzten Saison noch nicht erhalten haben (Juni 2025). Dabei soll es sich um eine hohe fünfstellige Summe handeln. Dazu gesellt sich der wirtschaftliche Absturz, der kaum mehr aufzuhalten sein dürfte: Wichtige Sponsoren haben ihre Verträge nicht mehr verlängert bzw. stark gekürzt und der Abo-Verkauf der Violetten lässt auch zu wünschen übrig. Nach außen hat es den Anschein, als ob die Vereinsleitung weiterhin alles „runterspielt“ und es für jede Kritik und fehlende Zahlungen immer entsprechende Ausreden gibt. Etwa ein Sieg oder doch erfolgte Zahlungen. Es stellt sich aber die Frage, ob Kärntner Firmen, die bisher immer ordnungsgemäß für den Verein geliefert und gearbeitet haben, auch um ihr Geld zittern müssen. Dabei hätte es noch vor kurzer Zeit ein interessantes Angebot einer potenten Unternehmensgruppe gegeben, die einen Absturz der Klagenfurter Austria verhindern wollte. Dies wurde aber von den Verantwortlichen offensichtlich abgeschmettert oder ignoriert. Nur weil die Stadt Klagenfurt ausstehende Forderungen eventuell größtenteils in Förderungen verwandeln könnte, scheint es weiterhin keinen Ausweg aus der gesamten finanziellen Misere zu geben. So wie es derzeit aussieht könnte der Fall eintreten, dass die Austria wieder einmal bei null anfangen und einen völligen Neustart in der Kärntnerliga hinlegen muss. Sollte dies tatsächlich eintreten, wird es möglicherweise eine vernünftige Kärntner Lösung geben und die Austria wieder zum „echten“ Mitgliederverein. Eine dementsprechende Gruppe hat sich bereits gegründet und würde in diesem „Ernstfall“ versuchen, eine komplette Talfahrt zu verhindern. Immerhin geht es um fast 500 Jugendliche und Nachwuchsspier und eine sehr erfolgreiche Damenmannschaft. Ein ehemaliger Spieler der Austria kopfschüttelnd und verbittert: „Das kann doch nicht sein! Wir haben als Waidmannsdorfer Traditionsclub sogar den Wiederaufstieg in die Bundesliga geschafft, recht erfolgreich gespielt, neue Fans gewonnen und zuletzt plötzlich alle Chancen vergeben.“ Bis zum Erscheinungstermin dieser Ausgabe sah es für die Austria nicht „sonderlich gut aus“, auch wenn einige Kicker ihre Gagen und Urlaubsgelder erhalten haben. Aber vielleicht wendet sich im letzten Moment überraschenderweise doch alles zum Guten? Forza Viola! H.K. Tiefer Fall der Austria Klagenfurt: Pleite-Geier kreist über Stadion Spieler mussten um ihre Gagen zittern, Schulden bei Firmen. Ein Konkursantrag könnte noch folgen. Völliger Neubeginn? Die neue Saison ist gestartet – und ich sag’s gleich: Für mich geht auch heuer sehr viel über Sturm Graz. Der Titelverteidiger hat mit einem starken 2:0-Auswärtssieg beim LASK gleich gezeigt, dass sie dort weitermachen wollen, wo sie letzte Saison aufgehört haben. Eingespielt, hungrig und voll im Saft. Auch Rapid Wien gehört für mich zu den Teams, denen heuer einiges zuzutrauen ist. Peter Stöger ist zurück – und mit ihm die Hoffnung auf bessere Zeiten. Der Start gegen Blau Weiß Linz war zwar noch etwas holprig, aber nach so einer Saison wie der letzten kannst eigentlich nur besser werden. Seit 2008 wartet man in Hütteldorf auf den nächsten Titel – und heuer will man endlich wieder einen nachlegen. In der oberen Tabellenhälfte sehe ich außerdem Austria Wien, Salzburg, LASK und auch WAC als spannende Mannschaften. Die Austria muss beweisen, dass sie die starke letzte Saison bestätigen kann. Bei Salzburg wird man sehen, ob sie zur gewohnten Dominanz zurückfinden. LASK und der WAC haben Qualität – und könnten im Titelkampf vielleicht sogar für eine Überraschung sorgen. In der ersten Runde gab es erste Erkenntnisse, aber auch Überraschungen. Sturm souverän, Rapid mühsam, Austria und GAK mit einem offenen Schlagabtausch, Salzburg lässt in Ried Punkte liegen – da war schon einiges los. Und im unteren Bereich werden sich wohl Altach, Hartberg, GAK, Ried und Co. matchen. Wer sich da stabilisiert, kann ruhig schlafen – für die anderen wird’s ein langer Herbst. Nach einem Spieltag ist natürlich noch nicht viel gesagt. Die nächsten Wochen werden zeigen, wohin die Reise geht. Das Transferfenster ist noch offen, viele Kader sind noch nicht ganz fertig. Austria und Rapid haben die ersten Runden in der Conference-League-Quali geschafft – aber klar ist noch nichts. Ob wir wirklich in der Gruppenphase dabei sind, hängt davon ab, wer sich jetzt durchsetzt. Zusätzlich kämpfen Sturm Graz und Salzburg noch in der Champions-League-Quali, beide wollen unbedingt ins „große“ Europa. Es bleibt spannend – und der Wunsch ist klar: Wir würden uns riesig freuen, wenn wir heuer möglichst lange international vertreten sind. von Toni Polster Klartext Wo’s heuer hingeht – meine Bundesliga Prognose“ © Ulrik Hölzel - photography & design Müssen sich die Fans der Austria Klagenfurt bald wieder mit Fußball auf Landesebene begnügen? Aktuell leider kein abwegiges Szenario ...
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