das 14 KÄRNTEN GARTENTIPP Ende August ist der perfekte Zeitpunkt, um Balkon und Garten noch einmal neu zu denken. Viele Sommerblumen werden müde, doch genau jetzt beginnt die große Stunde jener Pflanzen, die Farbe, Duft, Struktur und sogar Ernte bis weit in den Herbst bringen – manche bleiben auch im Winter noch ausgesprochen attraktiv. Wer dabei nicht nur an Heide und Chrysanthemen denkt, entdeckt spannende Alternativen: robuste Stauden, immergrüne Kräuter, duftende Halbsträucher und kleine Nutzpflanzen, die im Topf genauso funktionieren wie im Beet. Sie sind schön fürs Auge, wertvoll für Insekten – und einige davon wandern sogar direkt in die Küche. 1. Purpurglöckchen – Laubfarben statt Blütenfeuerwerk Purpurglöckchen, botanisch Heuchera, sind ideale Herbstpflanzen für Töpfe, Schalen und halbschattige Beete. Ihre Blätter leuchten je nach Sorte in Karamell, Bernstein, Purpur, Silber oder fast Schwarz. Gerade wenn Blüten rarer werden, bringen sie Farbe in Beete oder Blumenkisterl. Viele Sorten behalten ihr Laub auch im Winter und wirken dann wie kleine Farbinseln zwischen Gräsern und Immergrün. 2. Fetthenne – Bienenmagnet und Winter-Schmuck Die Hohe Fetthenne, besonders Sorten wie „Herbstfreude“, ist ein Klassiker mit Mehrwert. Im Spätsommer öffnen sich die doldenartigen Blütenstände, die von Rosa über Altrosa bis Rostrot nachdunkeln. Bienen und Schmetterlinge besuchen sie gern. Nach der Blüte sollte man die Stängel nicht sofort abschneiden: Bereift oder mit Schnee überzogen bleiben sie bis in den Winter hinein schön. 3. Seggen und kleine Gräser – Bewegung für den Herbsttopf Feine Gräser wie Seggen, Schwingel oder Lampenputzergras verleihen Herbstpflanzungen Leichtigkeit. Sie rascheln im Wind, fangen Tau und Reif ein und verbinden farbige Stauden mit immergrünen Kräutern. Für Balkonkästen eignen sich besonders kompakte Sorten. Im Garten dürfen die trockenen Halme stehen bleiben, denn sie schützen das Herz der Pflanze und sehen im Winter sehr stimmungsvoll aus. 4. Winter-Bohnenkraut – pfeffrige Würze und immergrüne Struktur Winter-Bohnenkraut ist ein unterschätztes Küchenkraut. Der kleine Halbstrauch liebt Sonne, durchlässige Erde und eher magere Bedingungen. Seine schmalen Blätter bleiben in milden Wintern oft grün und schmecken kräftigwürzig, leicht pfeffrig. In der Küche passt es nicht nur zu Bohnen, sondern auch zu Erdäpfeln, Eintöpfen, Pilzen und Ofengemüse. 5. Currykraut – silbrige Blätter mit mediterranem Duft Currykraut ist keine Gewürzmischung, sondern eine Pflanze mit intensivem Curryduft. Die silbergrauen Triebe passen wunderbar zu Herbstastern, Fetthenne und dunkellaubigen Purpurglöckchen. In geschützter Lage und gut drainierter Erde kann es den Winter überstehen; im Topf hilft ein geschützter Platz an der Hauswand. Kulinarisch werden meist ganze Zweige mitgekocht und vor dem Servieren wieder entfernt. 6. Echter Salbei – graugrüner Duftstrauch für Küche und Beet Salbei ist im Herbst besonders wertvoll, weil seine graugrünen Blätter Ruhe in bunte Pflanzungen bringen. Er liebt Sonne und durchlässigen Boden, verträgt Trockenheit und bleibt in vielen Wintern belaubt. Für die Küche ist er ein Klassiker zu Kürbis, Pasta, Fleischgerichten und brauner Butter. Wichtig: Im Winter nur sparsam ernten und nicht stark zurückschneiden. 7. Mini-Alpenveilchen – Zimmerpflanze mit FreiluftTalent Minialpenveilchen kennt man meist als Zimmerpflanze, doch gerade im Herbst kann es auch im Freien überraschend gut funktionieren. Wichtig ist ein geschützter Platz – etwa vor der Haustür, am überdachten Balkon oder an einer Hauswand –, wo es vor Regen bewahrt wird. Dann hält es im Topf lange durch und übersteht in der Regel auch leichten Frost. Mit seinen zarten Blüten und oft schön gezeichneten Blättern setzt es frische Farbtupfer, wenn viele Sommerblumen bereits nachlassen. Gartengeschichte Schweizer Gartenlust „Grüezi“, hieß es für eine Gruppe von Gartenfreunden, die mich in die Schweiz begleitete. Auf dem Programm standen private Gärten und der Botanische Garten Zürich. Doch wie so oft zeigte sich: Nicht die großen Namen erobern die Herzen der Gartler, sondern kleine Paradiese hinter Gartentüren, bei denen man am liebsten bleiben möchte. So ein Paradies fanden wir bei einem Ehepaar, das die Pension nicht mit Ruhe, sondern mit noch mehr Garten verbringt. Er war Gärtner, sie Floristin – als Pflanze würde man sich hier wohl freiwillig einquartieren. Auf 800 Quadratmetern entstand ein Garten voller Leben: mit Pflanzen, Tieren, liebevoller Dekoration und jener Selbstverständlichkeit, die entsteht, wenn zwei Menschen wissen, was sie tun. Jedes Detail passte: frische Blumen, kleine Arrangements und im Mini-Gewächshaus tropische Schmetterlinge – alle selbst gezogen. Draußen brannte die Sonne; anderswo wurden 38 Grad gemessen. Hier aber spendeten hohe Bäume Schatten, Sitzplätze lagen unter Blüten, begleitet vom Gluckern von Bachläufen, Quellsteinen und Brunnen. Fast meinte man, dieser Garten habe seine eigene Klimaanlage – schöner und ohne Stromrechnung. Das Großartige: Die grüne Oase liegt mitten zwischen hohen Wohnhäusern. Statt sich über neugierige Blicke zu ärgern, laden die Besitzer die Bewohner ein. So erleben sie den Garten nicht nur aus der Vogelperspektive, sondern mittendrin – zwischen Schatten, Blüten und Wassergeplätscher. Kein Wunder, dass er zum Liebling meiner Garten-„Voyeure“ wurde. Man schaut eben gern – noch lieber aber geht man hinein. Gartenfragen Bei meinen Orchideen sind viele Blätter silbrig und nicht mehr grün. Wegwerfen? Hier hat die Hitze zugeschlagen. Die Blätter sind durch die Sonne zuerst silbrig geworden und werden später braun. Künftig nie im Sommer an die Südfenster stellen. Nun abwarten und beobachten, ob sie neue Blätter bilden, die geschädigten fallen ab. *** In unserer Regentonne ist immer Laub, das dann zu Boden sinkt und fault. Darf man das Wasser verwenden? Ja, selbstverständlich kann man dieses Wasser verwenden. Es ist wie bei einer Brennnesseljauche, mit dem Unterschied, dass man hier nichts verdünnen muss. *** Ich hab einen Säulenpflaumenbaum letztes Jahr gekürzt. Nun gibt es aber wieder nur unten Früchte und Laub, soll ich nochmals schneiden? Ja, alle kahlen Teile jetzt schneiden. Zwetschken niemals im Winter einkürzen, sondern gleich nach der Blüte oder der Ernte. Gartenkalender Düngen geht zu Ende Das große Düngen der Kübelpflanzen geht allmählich zu Ende. Ob Citrus oder Oleander – sie alle sollte man nun nur noch bei außergewöhnlicher Hitze (da läuft das Wachstum nämlich stark) mit Nährstoffen versorgen. Balkonblumen oder Sommer- und Beetpflanzen benötigen aber jetzt viele Nährstoffe. Wenn es kühler ist, und nach dem Regen wird es hier ein kräftiges Wachstum geben. Im Gemüsegarten Wintergemüse säen und pflanzen – Grünkohl, Feldsalat, Spinat und auch Porree! Für die Ernte im Herbst wird nach wie vor Salat gesetzt, auch Radieschen kann man noch säen. Im Zimmer nach wie vor düngen und die Blätter von Staub reinigen. Am einfachsten – wenn möglich an einem Regentag ins Freie stellen. Die 7 schönsten Herbstpflanzen für Ihren Balkon und Garten Ende August ist der perfekte Zeitpunkt, um Balkon & Garten noch einmal mit duftenden, farbenschönen Pflanzen neu zu denken. Der Pflanzenflüsterer & Biogärtner Karl Ploberger © Chrstoph Boehler
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