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das KÄRNTEN GARTENTIPP 13 Die große Gartenumfrage von Biogärtner Karl Ploberger zum Auftakt des heurigen Gartenjahres hat gezeigt: Auch beim Garteln wird ein wenig gespart. Ungebrochen ist das Interesse an Bio-Produkten und an alten Sorten. Und: viele sprechen mit ihren Pflanzen! Etwas mehr als 900 Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtner haben an der Umfrage teilgenommen, die der Biogärtner auf seiner Website durchgeführt hat. Eins zeigt sich: Das Garteln ist nach wie vor „weiblich“ (rund 87 Prozent). Ebenso, dass der Garten eher in der 2. Lebenshälfte interessant wird, aber immerhin schon jeder zehnte unter 40 ist. Bereits gut 65 Prozent meiner Umfrageteilnehmer gärtnern ausschließlich biologisch, nur mehr 9 Prozent verwenden ausschließlich Kunstdünger und „chemische“ Spritzmittel. Auf die Herstellung und Verwendung eigenen Kompostes setzen fast 68 Prozent und stellen mittlerweile das „Gold des Biogärtners“ selbst her. Torffreie Erden stehen für zwei Drittel hoch im Kurs. Für immer mehr Menschen ist das Thema Selbstversorgung wichtig. Über 90 Prozent pflanzen auch eigenes Obst und Gemüse an. Hauptantriebspunkt: sie wollen gesunde Lebensmittel ohne Gift und chemischer Rückstände ernten. Bei nahezu der Hälfte wird die Selbstversorgung jährlich mehr. Für über 70 Prozent sind alte Sorten dabei besonders bedeutend. Aber auch neue Züchtungen werden von der Hälfte der Umfrageteilnehmern gerne ausprobiert. Mit der Ernte ausschließlich zufrieden sind 45 Prozent, bei nur knapp 4 Prozent war der Lebensmittelanbau „vergebene Liebesmüh“. Beim Rest „könnte es besser sein“. Das eher trocken Jahr 2025 zeigt sich bei einem sonst gravierenden Problem: Mehr als 60 Prozent hatten in der vergangenen Saison wenig bis keine Schneckenprobleme, das deckt sich auch damit, dass im vergangenen Jahr die Umsätze bei Schneckenkornherstellern deutlich zurückgegangen sind. Auch die Reiswanze ist bei zwei Drittel noch kein Thema. Bei nur knapp 17 Prozent (eher Richtung Osten) gab es schon große Probleme damit. Dafür gehörten Läuse, Drahtwürmer, Kohlweißlings-Raupen, verschiedene Engerlinge, Dickmaulrüssler aber auch Mäuse zu den Gartensorgen im vergangenen Gartenjahr. Auch der Buchsbaumzünsler wurde immer wieder genannt (von den wenigen, wo der „Buchs“ noch überlebt hat). 54 Prozent hatte Probleme mit der Trockenheit, für etwa 10 Prozent war es letzte Saison zu nass. Deshalb ist auch die Bewässerung und die Anpassung an den Klimawandel bei gut der Hälfte ein „Problemthema“. Für mich sehr erfreulich: Über 95 Prozent setzen auf unterschiedliche Maßnahmen, um die Artenvielfalt im Garten zu fördern (z.B. Blühstreifen, Insektenhotels oder Schaffung von Wasserstellen). Und immerhin 85 Prozent nutzen biologische Methoden zur Schädlingsbekämpfung wie Marienkäfer, Neemöl, Schachtelhalmextrakte u.v.m. Regional kaufen ist ein großes Thema: Drei Viertel kaufen zumindest teilweise ihren Gartenbedarf direkt beim lokalen Gärtner. Ein wichtiges „Geheimnis“ von Hobbygärtnern, warum es besonders gut wächst, wurde oft erwähnt: Mit Pflanzen sprechen und ihnen auch sagen, dass man sie liebt & mit Herz und Freude gärtnern. Viele schwören auch darauf, der Natur freien Lauf zu lassen. Was wächst darf bleiben, was nicht wächst, darf gehen. Und das Wichtigste: Gelassenheit beim Garteln. Gartengeschichte Volkssport Nummer 1 Die Gartenmesse „blühendes Österreich“, die es seit 1992 gibt und mittlerweile zu einer der bedeutendsten Veranstaltungen auch weit über die Grenzen des Landes gilt, hat mit einem Besucherrekord von knapp über 60.000 Gartenfans gezeigt, wie sehr das Garteln beliebt ist. Für mich war es einmal mehr ein anstrengendes Wochenende: zuerst meinen Toscana-Garten bepflanzen (Dank der Hilfe durch den Gartenblogger Florian Hödlmosers schaffte ich die Monsteraufgabe) und dann Fragen über Fragen beantworten und – ob jung oder alt: Selfies, Selfies, Selfies. Das Interesse an den Gartenthemen geht quer durch „den Gemüsegarten“ – obwohl im Moment der Traum vom Süden im Vordergrund steht und alles rund um Palmen, Citrus oder Oliven gefragt war, viele Fragen drehten sich auch um die heimischen Pflanzen. Die Gartengestalter, die in wochenlanger Arbeit die Schaugärten errichtet haben, meldeten großes Interesse. Gespart wird offenbar, aber nicht bei der Gartenanlage. Wer sein grünes Paradies gestaltet haben will, der greift ins Geldtascherl – offenbar, wie man hört, auch tief. Und auch alle Aussteller, die mit Aktionen lockten, kamen auf ihre Rechnung. Und wie immer bei den Gartenmessen: die Sammler und Raritätenjäger waren zur Stelle und holten sich schon am ersten Tag ihre „grüne Beute“. Ein wenig gebremst wurde nur die Frühlingslaune durch die spätwinterlichen Nacht-Temperaturen. So waren Tomaten- und Paprikapflänzchen noch nicht so gefragt. Das war auch gut so, denn den Ausflug vom Messerummel in den eisigen Garten hätten sie auch nur bedingt überleben. Gartenkalender – Checkliste für den Erstfrühling Die Forsythie blüht. Im Phaenologischen Kalender hat damit der Erstfrühling begonnen. Das ist jetzt zu tun: Im Garten: • Beete im Gemüsegarten vorbereiten und Kompost verteilen. • Rosen schneiden und sofort düngen. • Rasen düngen, aber noch nicht vertikutieren. Das erfolgt (so es notwendig ist) erst nach dem ersten Mähen. • Äste von Gehölzen zwischen die Pfingstrosen stecken, daran halten sich dann die neuen Triebe daran fest und man sieht später, wenn das Wachstum beginnt, keine Stäbe. Am Balkon: • Mit einem Blick auf den Wetterbericht lassen sich die robusten Kübelpflanzen (Oleander, Lorbeere, Olive, Hanfpalme) ins Freie stellen. Bei starkem Frost aber schützen! • Überwinterte Balkonblumen umsetzen und heller stellen. Im Zimmer: • Jetzt ist die beste Zeit fürs Umtopfen! Niemals zu großen Töpfe verwenden, lieber den Wurzelstock verkleinern. • Orchideen vom Südfenster wegstellen – es wird nun wieder zu heiß. • Küchenkräuter von der Wohnung auf den Balkon stellen, da wachsen sie wieder viel besser. Basilikum bleibt allerdings noch drinnen. Die häufigsten Gartenfragen Ich habe so viel Schachtelhalm in meinem Garten, was kann ich tun? Immer dort, wo der Boden verdichtet, staunass und sauer ist, fühlt sich der Schachtelhalm wohl und vermehrt sich. Langfristig kann man ihn nur eindämmen, wenn man die Fläche über mehrere Jahre hinweg mit Kompost und Sand durchlässig macht und von Zeit zu Zeit kalkt. Ein langwieriges Projekt… *** Ein steiler Sonnenhang mit Lehmboden soll bepflanzt werden, welche Pflanze empfehlen sie? Wenn es blühende Pflanzen sein sollen, dann würde ich bodendeckende Rosen empfehlen. Die sind wuchskräftig und müssen nur einmal pro Jahr geschnitten werden. Das geht sogar mit einer Heckenschere. Boden gut vorbereiten und danach dick mulchen. *** In meinem Garten sind Maulwurfsgrillen. Gibt’s da eine biologische Bekämpfung? Dieser wirklich lästige Schädling kann durch Nematoden bekämpft werden. Allerdings braucht man Geduld und muss die Maßnahme über mindestens vier Jahre fortsetzen, um alle Stadien der Entwicklung zu erwischen. *** Mein Schnittlauch will und will nicht wachsen, setze ihn jedes Jahr neu und er verschwindet. Warum? Mit großer Wahrscheinlichkeit wurden die Pflanzen viel zu wenig gedüngt. Im Gegensatz zu vielen anderen Kräutern benötigt der Schnittlauch viele Nährstoffe. Daher gleich beim Einpflanzen Kompost und organischen Dünger einarbeiten. Später im Sommer nachdüngen und auch noch einmal eine Herbstdüngung durchführen. So entstehen kräftige, große Stöcke. Umfrage zeigt: Gartler sparen und sprechen mit den Blumen 900 Beteiligungen führen eindrücklich vor Augen, dass Selbstversorgung ohne Chemie bei Obst und Gemüse ein persönliches Anliegen ist. Der Pflanzenflüsterer und Biogärtner Karl Ploberger © Christoph Böhler Fotos beigestellt

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