das 6 KÄRNTEN AKTUELL Die Causa Wöginger (dem VP-Bundesklubchef wird „Postenschacher“ vorgeworfen, es gilt die Unschuldsvermutung) erinnert an jene Zeiten in Kärnten, als der bereits verstorbene Sima-Nachfolger, SPLandeschef und Landeshauptmann Leopold „Poldi“ Wagner die Landespolitik beinah zur Gänze beherrschte. Wer damals nicht das „richtige“ Parteibücherl hatte, hatte es schwer bei Stellenausschreibungen für den Landesdienst. Beispielsweise hatte eine junge Kärntnerin zwar den Aufnahmetest als Sekretärin (!) für einen sicheren Job im Landesbereich mit Bravour bestanden, weigerte sich jedoch dem roten Parteiapparat beizutreten. Das war‘s dann schon! Eine freundliche Absage (mit etwas „Unverständnis“) folgte, die erstklassige Qualifikation spielte keine Rolle. Das galt vor allem für „höhere“ Posten, Beförderungen und diverse Karrieren, wie z. B. für Sekretäre oder Mitarbeiter eines Landeshauptmann- oder Regierungsmitgliedsbüro (was auch heute für diese Personengruppe zutrifft, aktuelle Beispiele gibt es durchaus). Wagner wurde bekanntlich im Oktober 1987 von einem Schulfreund und Lehrer niedergeschossen, weil sich dieser bei einer Direktorenpostenbesetzung übergangen gefühlt hatte. Der Attentäter wurde verurteilt. Freilich muss man festhalten, dass auch in anderen Bundesländern machtbewusste Politiker ihr Bundesland zum Selbstbedienungsladen degradieren und das Wort „Freunderlwirtschaft“ durchaus zutreffen kann. Da gibt es etwa einen burgenländischen SP-Landerschef, der seine damalige Verlobte und jetzige Ehefrau direkt in sein Regierungsbüro aufnehmen wollte. Andererseits „vererbten“ einige Länderbosse ihr lukratives Amt an den eigenen Politik-Nachwuchs. Jörg Haider soll als Landeschef gewisse Postenbesetzungen „strategisch“ angegangen sein. Bei wichtigen Funktionen wartete der damals „blau/orange“ Zampano gar nicht auf die Pensionierung des Amtsinhabers, sondern versuchte diesen „irgendwie“ loszuwerden, um eigene Vertrauensleute in diese Position zu hieven. Sogar ein Olympiasieger kann ein Lied davon singen. Trotzdem konnte sich der gewiefte Landeschef als „Kämpfer gegen Parteibuchwirtschaft“ und den (tatsächlich existierenden) Proporz verkaufen, etwa mit Hinweis auf „satte“ Bezüge eines steirischen AK-Funktionärs oder auf die hohen Gehälter der Nationalbank. Dabei fand sich auch der Kärntner Nationalbank-Leiter unter den FPAbgeordneten – ein ehemaliger SP-Mann, der sich mit der Justiz Probleme eingehandelt hat. Die Meldung über die ehemalige SP-Staatssekretärin Brigitte Ederer ließ kürzlich aufhorchen: Einem Medienbericht zufolge kassiert die Spitzenmanagerin (wir erinnern uns an den angekündigten „Ederer-Tausender“) zusätzlich zu ihrer satten Politikerpension noch Geld für zwei Aufsichtsratsposten bei den ÖBB. Laut Verfassungsdienst sei das rechtswidrig. Warum weiß man bei den ÖBB nicht, was die linke und die rechte Hand tut? Noch dazu bei einer Dame, die insgesamt rund zehn Aufsichtsposten bekleidet hat. 322 Motorboote Für Wirbel sorgt die vom Landtag beschlossene Tourismusreform. Konkret geht es um die Tourismusabgabe von vier Euro und eine Verkleinerung der Tourismusverbände. Warum durchleuchtet man nicht die Kärnten Werbung, ihre Effizienz und den offensichtlich mäßigen Erfolg dieser wichtigen Einrichtung? Man redet einen schwachen Saisonstart klein. Zumindest Chef Klaus Ehrenbrandtner. Der KresseNachfolger wollte bei seinem Dienstantritt die Marke „Kärnten“ stärken. Viel merkt man davon noch nicht! Was verdient eigentlich Ehrenbrandtner, der die Marke seines Vorgängers behalten will: „It´s my life“. Bleiben wir beim Tourismus. Vertreter dieser Branche warnten vor einer Erhöhung der Bootsabgabe für jene motorisierten Wasserflitzer, deren Wellen das Ökosystem des Wörthersees schädigen. Es ist kaum anzunehmen, dass sich Menschen der Kategorie „reich und schön“ wegen der geringen Aufzahlung keinen Urlaub an Kärntens Riviera mehr leisten können. Immerhin gibt es für den Wörthersee über 800 Bootslizenzen, davon 322 für Motorboote. Nicht nur einige Bürgermeister/ Bürgermeisterinnen (Ferlach, Feistritz i. R., Grafenstein, Velden) legten ihre Ämter in jüngere Hände, auch die Landes-SP stellte sich nach Peter Kaisers Abgang neu auf: So avancierte Berufspolitiker Günter Leikam zum 3. Landtagspräsidenten, die Lendorfer Bürgermeisterin Marika Lagger-Pöllinger wurde Landesrätin (u. a. für Gemeinden), der Gailtaler Luca Burgstaller beerbte SP-Klubchef Seiser, seine Stellvertreterin wurde die Abgeordnete Monika Lobnik. Christina Patterer-Burgstaller aus Kötschach-Mauthen rückte in den Landtag nach. Die Dame ist die Frau der neuen SP-Clubchefs. Ein Ehepaar als Politik-Zugpferde? Warum nicht? Wörthersee-Wellen Ein passendes Buch ... Der St. Veiter Bezirksjägermeister und Versicherungsagent Ing. Alfons Kogler aus Hüttenberg geht beinah schon 50 Jahre auf die Pirsch, gilt als leidenschaftlicher Weidmann und plädiert für einen respektvollen Umgang gegenüber Wildtieren. Auf über 150.000 Hektar durchstreifen rund 2500 „Grünröcke“ die heimischen Wälder und sichten dabei u. a. Wildschweine, Luchse und Goldschakale. Wir sprachen mit Alfons Kogler über aktuelle Themen der Jagd. Wölfe werden immer öfter in der Nähe von Städten, wie zuletzt bei St. Veit/Glan, gesichtet. Sie werden dann zu „Problemtieren“, die man jagen bzw. entnehmen muss. Wie viele Wölfe wurden bisher im Bezirk St. Veit erlegt? Kogler: Seit Inkrafttreten der Wolfsverordnung wurde bis dato im Bezirk St. Veit an der Glan kein einziger Wolf erlegt. Im Gurktal soll es bereits mehrere Wolfsrudel geben und Geier, die über Reste der Beute herfallen? Es gibt ein Gerücht, dass Jäger einen Wolf heimlich erlegt und vergraben haben sollen ... Kogler: Wolfsrudel im Gurktal sind mir nicht bekannt, bis dato gab es immer wieder Sichtungen von Einzelwölfen. Das Auftreten von Geiern ist ebenfalls nicht bekannt. Ich kenne auch das Gerücht nicht … Tierfreunde fordern den Schutz des Wolfes, Bauern wollen das vierbeinige Raubtier gänzlich vertreiben. Ihre Meinung? Kogler: Der Wolf ist gekommen, um zu bleiben und wir müssen damit leben lernen, was auch ein entsprechendes Management (Regulierung) erfordert. Andernfalls werden die Schäden für die Landwirte und als weitere Folge für unsere Kulturlandschaft durch ausbleibende, weil unrentable Bewirtschaftung, unermesslich. Streifen Goldschakale und Luchse durch die Wälder? Ist schon einmal ein Bär aufgetaucht? Kogler: Schakale und Luchse streifen durch die Wälder des Bezirkes. In den letzten Jahren gab es keine Bärensichtungen oder sonstige Nachweise von Bären. Was bereitet Ihnen als Bezirksjägermeister starkes Kopfzerbrechen? Kogler: Die technischen Entwicklungen, auch im Bereich der Jagd, gehen sehr rasant voran und werden auch vielfach genutzt. Leider gehen dadurch die Sinne und das Gespür für Wild verloren und somit wird die Abhängigkeit der vor allem heranwachsenden Jägerinnen- und Jägergeneration von der Technik immer größer. Generell, und nicht ausschließlich auf die Jagd bezogen, bereitet die grundsätzliche gesellschaftliche Entwicklung, dass sich viele junge Menschen ob der technischen Kommunikationsmöglichkeiten des persönlichen Gespräches entziehen und damit das Gemeinsame verloren geht. Eine derartige Entwicklung verringert und erschwert auch die Weitergabe von Praxiswissen und Erfahrung. Gibt es Probleme mit „Schwammerl-Touristen“? Kogler: Mit den Schwammerl-„Touristen“ gibt es kaum Probleme. Es treten allerdings immer wieder „professionelle“ Sammler, die sich nicht an die erlaubten Sammelzeiten und -mengen halten, auf. Wie viele Jäger und Jägerinnen gehen im Bezirk St. Veit auf die Pirsch? Kogler: Es sind aktuell rund 2500 Jäger und Jägerinnen, mit der Aufteilung in ca. 2.000 männliche und 500 weibliche Personen. Wann gab es den letzten Wilderer-Fall? Kogler: Es gab in den letzten beiden Jahrzehnten keine „aufgedecken“ Fälle von Wilderei oder angezeigte Straftaten von Wilddiebstahl. Wie sieht die Wildbilanz vom Vorjahr aus und nimmt die Wildschwein- oder Biber/Fischotter-Plage zu? Kogler: Schwarzwild hat in den letzten Jahren im Bezirk stark zugenommen, so wird nahezu die Hälfte der Kärntner Schwarzwildstrecke im Bezirk St. Veit getätigt. Die Zunahme der Schwarzwildpopulation, also der Wildschweine, ist auf die Populationsdynamik zurückzuführen, weil Bachen schon unter einem Jahr geschlechtsreif werden – mit drei bis neun Frischlingen. Und das gleich mehrmals im Jahr. Außerdem kommen die milden, schneearmen Winter dem Schwarzwild entgegen, es gibt dadurch keine natürlichen Ausfälle. Im Vorjahr wurden 338 Stück erlegt, eine seit 2020 stets ansteigende Zahl. Biber nehmen ebenfalls stark zu und bereiten vielen Landwirten große Sorgen. Biberdämme sorgen nämlich für überflutete Ackerflächen. Die Anzahl an Fischottern nimmt ob des abnehmenden Nahrungsangebotes derzeit nicht stark zu. Beim Rotwild konnten die Abschusszahlen der Zuwachsträger gesteigert werden und die Rehwildentnahme ist gegenüber den Vorjahren gleich geblieben. Wie steht es mit dem Image der „Grünröcke“? Sie sehen sich als Hüter des Waldes und Heger des Wildes, Kritiker sprechen hingegen von „schießwütigen Trophäensammlern“? Kogler: Grundsätzlich besitzt die Jagd eine sehr hohe Akzeptanz. Die Aufgaben der Jägerinnen und Jäger umfassen nicht nur Waldhüter- und Wildheger-Maßnahmen ... Die Tätigkeiten sind wesentlich mannigfaltiger. Das beginnt bei Lebensraumverbesserungsmaßnahmen z. B. für Raufußhühner, Haselwild, Niederwild, Monitoring diversester Wildarten, auch jener die nicht vom Jagdgesetz erfasst sind. Weiters gibt es sehr viele Projekte zur Reduktion von Straßenfallwild zum Schutz des Wildes und Vermeidung menschlichen Leides. Jägerinnen und Jäger sind auch Kultur- und Brauchtumspfleger, wie durch Jagdhornbläsergruppen und Chorgemeinschaften eindrucksvoll unter Beweis gestellt wird. Leider ist dies vielen Menschen nicht bewusst und wird von vielen auch nicht erkannt, auch die beste mediale Berichterstattung erreicht immer nur die interessierten Mitmenschen und nicht jene, die es nötig hätten. Dass es unter der jagenden Bevölkerung immer wieder schwarze Schafe gibt, ist leider nicht zu vermeiden und bringen die Vielen, die wirklich ausgezeichnete Arbeit leisten, in Misskredit. -r Bezirksjägermeister Kogler:„Das Schwarzwild vermehrt sich stark!“ Bezirk St.Veit/Glan: Im Vorjahr 338 Wildschweine erlegt. Biber sorgen für Ärger. Bisher wurde kein„Problemwolf“ entnommen. Bezirksjägermeister A. Kogler: „Immer mehr Schwarzwild….“ Foto Privat
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