Das Kärnten - E-Book

das 8 KÄRNTEN AKTUELL Geschafft! Die Tage der deutschsprachigen Literatur und damit auch der 50. Ingeborg-Bachmann-Preis sind längst Geschichte, alle Auszeichnungen wurden an stolze Formulierkünstler vergeben. Und vielleicht sieht die bedeutende Kärntner Schriftstellerin, die heuer 100 Jahre alt geworden wäre, bei dieser Literatur-Show „von oben zu“, im Bändchen „im Himmel und auf Erden“ blätternd. Sie würde sich über dieses Spektakel wundern, über einen TV-tauglichen Laufsteg der Eitelkeiten und über Autoren, die nur von der erlauchten Jury ausgesucht werden. Dabei sollte dieser Wettbewerb zunächst Robert-MusilPreis heißen. Zudem wurde diese Veranstaltung – zumindest deren Finanzierung – schon öfters in Frage gestellt. Man erinnert sich an den zynischen Literaturpapst Marcel R. Ranicki, der Ingeborg Bachmann als „gefallene Dichterin“ bezeichnet hatte, aber als Literatur-Showman den Jury-Vorsitz mit Freuden entgegennahm. Er galt als medientauglicher Kulturvermarkter. In seiner Zeit waren die Autoren dem „Daumen-nach-oben-oderunten-Gremium“ schutzlos ausgeliefert, so manch braver Texter wurde verbal „hingerichtet“. Zum Gaudium der Zuseher. Es waren Zeiten, in denen Schriftsteller nicht durchs Schreiben auf sich aufmerksam gemacht haben, sondern durch „Aktionen“, etwa durch das blutige Ritzen mit einer Rasierklinge über die Stirn, den „Babyficker-Zeilen“, durch das fluchtartige Verlassen der Lesebühne samt Weinkrämpfen usw. Später auch durch verschwundene Favoriten von der Jury-Auswahlliste. Die Arschkarte … Man stellt sich auch die Frage, wer wählt die Jury-Mitglieder aus? Wie konnte es passieren, dass z. B. Sigrid Löffler das Wettlesen vernichtend kritisierte („Bleiben alle auf der Strecke“), um zehn Jahre später stolzes Jurymitglied zu werden? Nach ihrem Ausscheiden aus dem „edlen Kreis“ fand die Dame erneut „negative Bezeichnungen“ für dieses „Relevanztheater mit schlechtem Benehmen“. Ein Blick auf die zuletzt amtierende Jury macht ratlos: Eine Dame wäre aufgrund ihrer wild gestikulierenden Handbewegungen und dem unentwegten Streichen ihrer langen Haare bei einem Marionettentheater besser aufgehoben. Andere Damen des Gremiums – ihrer Bedeutung als Sprachpolizistinnen bewusst – wirkten freundlich belehrend. Der langjährige Vorsitzende, Uni-Professor Klaus Kastberger, verließ die Jury. Sein Kommentar: „Als Vorsitzender hat man ohnehin die Arschkarte“. Jetzt scheiden auch Mara Delius, Philipp Tingler und Brigitte SchwensHarrant aus. Vielleicht sollte man künftig jenen Literaturexperten, die vor Publikum über Wort-Gladiatoren „von oben herab“ urteilen, die Manuskripte nicht vorab zum Lesen geben. Sonst können sich die „glorreichen Sieben“ gewisse Pointen notieren, um vor laufender Kamera zu glänzen oder sich Scheingefechte zu liefern. Zu den meist autobiografen Texten meinte ein deutscher Kulturkritiker: „Mir gehen bei diesem Bewerb jene Geschichten ab, die nur dem Kopf entspringen und auf weißem Papier bunte Wurzeln schlagen. Wie finden wir die scheinbar verloren gegangene Fantasie?“ Der in Klagenfurt erfundene und im Kärntner ORF-Landesstudio präsentierte Sprach-Wettkampf wird von Peter Fässlacher präsentiert. Fässlacher wurde zwar in Villach geboren, gilt aber noch als Wiener Kulturprogrammchef von ORF III. Er fällt dem ORF-Sparprogramm zum Opfer, sein Vertrag wird nicht verlängert. Vielleicht hätte man besser Geschäftsführerin und Gagenkaiserin Zierhut-Kunz (geborene Waldhauser) sowie Chefredakteurin Lorenz-Dittlbacher eingespart? Der zweite ORF-III-Geschäftsführer Peter Schöber wurde mittlerweile „freigestellt“. Eines steht jedoch fest: Der Bachmann-Wettbewerb muss, bei berechtigten Kritiken und Diskussionen an der Ausrichtung, bestehen bleiben. Er adelt die Landeshauptstadt, die damit im Land eines Nobelpreisträgers Peter Handke oder einer Christine Lavant ihre Stärke als Zentrum der Literatur unterstreicht. Genauso wie mit dem jährlichen „Kärntner Lyrikpreis der Stadtwerke Klagenfurt“ für deutsche und slowenische Dichter, den eine Siegerin einmal als „leise Schwester des Bachmann-Wettbewerbes“ bezeichnet hat. Eine wahre Poeten-Perle und Talenteschmiede, die heuer zum 19. Mal stattfinden wird – inklusive feierliche Preisverleihung Anfang November im Stadthaus Klagenfurt. Es ist die bereits zweitgrößte Literaturveranstaltung Kärntens. Oder denken wir an den Humbert-Fink- und diverse Landespreise. Dazu kommt das im Vorjahr erfolgreich abgehaltene und für heuer vom 17. bis 19. September geplante dreitägige Lesefestival BUCH9020 in der Stadtgalerie. Da findet sich wieder spannender Lesestoff für alle Altersklassen und alle Interessenten – mit Bestsellerautoren und Neuerscheinungen! Und wer Kultur (Klassik und Aufführungen) hörbar genießen möchte, kann das im Burghof tun oder in der „kleinen Welt am Wörthersee“. Zudem bietet das Stadttheater Ur-Aufführungen, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Es lohnen sich auch Besuche bei den „kleinen Klagenfurter Bühnen“ und diversen Konzerten. Schließlich liegt Klagenfurt doch am „Wörter-See“. Wie passend. Wörthersee-Wellen Gladiatoren in der Wort-Arena Wie sieht es mit dem „Team Kärnten“ (TK) in nächster Zukunft aus? Während Politik-Kenner dem Spittaler Bürgermeister und TKChef durchaus gute Chancen einräumen, im Frühjahr 2027 bei den Gemeinderatswahlen wieder den Bürgermeistersessel in der Lieserstadt zu erobern, steht vor seiner Partei bei der Landtagswahl im März 2028 ein großes Fragezeichen. Das Abschneiden des TK im gesamten Bundesland wird die Mandatsverteilung von SP, VP und FP massiv beeinflussen, so Politik-Wissenschaftler. Der Ex-SP-Politiker, Ex-Stronach-Mann, Ex-Gendarm, Ex-Banker, ExLandesrat, Ex-Nationalrat und Landtagsabgeordnete Köfer könnte bei Koalitonsverhandlungen im Land bzw. bei der Regierungsbildung in rund 1,5 Jahren ein gewichtiges Wort mitreden. Auch bei der Kür des künftigen Regierungschefs. Das Spittaler Stadtoberhaupt hat sich mehrmals für eine Landeshauptmann-Direktwahl eingesetzt. Bei den bevorstehenden Gemeinderatswahlen kamen dem ehemaligen StronachPferde-Flüsterer Köfer zwei Zugpferde abhanden: Der Klagenfurter Bürgermeister Christian Scheider, Gründungsmitglied der mittlerweile nicht mehr so neuen Freien Sozialen Bürgerpartei (FSB, als Obmann scheint Vizebürgermeister Patrik Jonke auf). Der politische Machtverlust der Landeshauptstadt dürfte Köfer schmerzen. Der ständige Wirbel um Keutschachs Gemeindeoberhaupt Gerhard Oleschko wird den TK-Chef kaum mehr überraschen, die Zusammenarbeit liegt auf Eis. In einem Interview hat der 65-jährige „Vollblut-Politiker“ Köfer angekündigt, bei den Gemeinderatswahlen in mehreren Kommunen um Wähler zu werben, angeblich mit bürgenahen Top-Kandidaten. Schließlich wären „die Menschen von den derzeitigen Parteien bzw. deren Vertretern enttäuscht“. Vermutlich strebt das TK auch eine Kandidatur in Villach an. Ein Insider: „Köfer muss schon bei der Gemeinderatswahl ordentlich mitmischen, damit er dann im Land entsprechend durchstarten kann“. Den TKAustritt von Bürgermeister Christian Scheider kommentiert der Mann mit den „heilenden Händen“ so: „Die Trennung ist im Sinne einer klaren politischen Linie erfolgt.“ Man habe feststellen müssen, dass „interne Quereleien und eine fehlende politische Stabilität in Klagenfurt in den vergangenen Jahren“ die Zusammenarbeit erschwert hätten. Mit einem juristischen Konflikt mit dem ÖGB, was Gewerkschaftswahlen betrifft, sorgte der begeisterte Fischer für Aufsehen. Das TK würde sich, so Parteichef Köfer, „eigentlich mit allem von der Ideologie der FP unterscheiden“. Man betreibe zudem keine Hetze wie die FP, sei aber nach der nächsten Landtagswahl für alle Koalitionsgespräche offen. Unter einer Bedingung, wie der TK-Obmann in einem Interview kürzlich festhielt: Die Abschaffung der Freunderlwirtschaft. Gerhard Köfer bemühte sich bekanntlich vor Jahren erfolglos um das Amt des Kärntner SP-Vorsitzenden. Zuletzt sorgte das TK für Schlagzeilen, weil man in Seeboden eine Villa mit Seeblick erworben hatte. Finanziert wurde die Luxusimmobilie über die Parteienförderung – für eine Kaderschmiede des TK samt Bildungseinrichtung. Auch Köfers Einkünfte wurden von einem Personalvertreter des Landes kritisiert, der Bürgermeister konnte diesen Vorwurf allerdings entkräften. Er hätte nicht drei, sondern nur zwei Einkünfte (Bürgermeister und Landtagsabgeordneter). Peinlich mutete allerdings die Diskussion um eine geplante Ehrenbürgerschaft der Stadt Spittal an den emsigen Volksvertreter an. So hätte Köfer die höchste Auszeichnung der Bezirksstadt Spittal erhalten sollen – u. a. als längstdienender Gemeinderat. Eine Auszeichnung, mit der üblicherweise Altpolitiker, pensionierte Volksvertreter, Künstler oder Unternehmer geehrt werden. Köfer verzichtete schließlich auf die „besondere Ehre“. Ein Grüppchen von SP-Funktinären hätte ihm aus politischen Eifersüchteleien die Ehrenbürgerschaft nicht gegönnt, so der Bürgermeister. Pflicht-Termin für waschechte Party-Freunde: Beim Sommerfest von „DAS KÄRNTEN“ auf dem Anwesen des Verlagshauses Knapp in Klagenfurt konnten Herausgeber Heinz Knapp und seine Sabine zahlreiche bekannte Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Medien und der Kulturszene begrüßen, um Meinungen auszutauschen oder über „Gott und die Welt“ zu plaudern. Für zünftige Musik sorgten die zwei Original Wiener Heurigen Musikanten – das „Duo Franz“ mit der charmanten Sängerin Ilona. Zwischen einem echten Zirkuswagen, gehissten Fahnen mit Medienflaggen und einem gepflegten Innenhof trafen sich u. a. zu einem köstlichen Buffet und erlesenen Getränken: „Doppelpack“ Toni Polster, Ex-Vizekanzler HC Strache, Ex-Kicker „Versicherungsdirektor“ Max Schlager, „Vollblut-Austrianer“ Heli König, Ex-Austria-Klagenfurt-Kicker Matthias Zimmerling, der Villacher Per-Du-Gastronom Rico Tuschek mit seiner Friseurexpertin Edina, der St. Veiter Druckerei-Profi Fritz Knapp, Chefredakteur Harry Raffer, Glasermeister Emil Pogatschnig, Ex-Banker Rudi Pirker u. v. m. Gefeiert wurde bis in die frühen Morgenstunden. „Team Kärnten“: Schafft Gerhard Köfer den Sprung in die Landesregierung? Spittaler Bürgermeister sieht „gute Chancen“ für künftige Urnengänge in den Gemeinden und auch auf Landesebene. Wohin steuert Gerhard Köfer mit dem „Team Kärnten“ bei der Landtagswahl? © Helga Rader lud zum diesjährigen Sommerfest nach Klagenfurt Duo Franz mit Ilona HC Strache mit Sandra, Toni Polster mit seiner Birgit, Heinz und Sabine Knapp, Rico und Edina Tuschek ... Fotos Privat DAS KÄRNTEN

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