das 6 KÄRNTEN AKTUELL Dichter seien die Hüter der Verwandlung, stellte Elisa Canetti einmal treffend fest. Um wie viel mehr gilt das für Theatermenschen, für die Verwandlung vielleicht noch selbstverständlicher ist als ihre eigene Identität, von der sie oftmals weniger wissen, als über die geniale Gabe sie austauschen zu können. Wort, Licht und Raum sind die Versatzstücke, um eine andere Welt entstehen zu lassen, die sich im Augenblick des sich öffnenden Vorhangs entfaltet und beim Fallen wieder vergeht. Was bleibt, ist eine atmosphärisch aufgeladene Erinnerung. Goldonis „Diener zweier Herren“ in der Übersetzung des Sprach- und Sprechvirtuosen H. C. Artmann ist ein Ereignis für sich, und Herbert Wochinz baut Bühnenraum und Menschenbilder um das Wort des Poeten. Bühnenfassung: Herbert Wochinz, steht daher zurecht am Theaterplakat. Einige Male hat der Prinzipal diesen Zusatz urgiert, zu seinen Lebzeiten ohne Erfolg. Nun liest man seinen Namen endlich auf der Ankündigung, symbiotisch mit dem Textautor vereint. Alles am Theater ist schemenhaft fluktuierend. Es kann mit Sprache und Schrift nur eingeschränkt dargestellt werden, außer der Zuschauer hat sich selbst eine besonders nachhaltige Form der Wahrnehmung erworben. Dann wirken die Attribute Klarheit des Geistes oder Einfachheit der Darstellung über die Abgründe und Höhenflüge menschlicher Wesenszüge nach. Attribute, denen sich Herbert Wochinz verpflichtet sah. Manchmal kann es orientierend hilfreich sein, namhafte Rezipienten wie Theodor W. Adorno zu zitieren. 1958 sah er im Wiener Theater am Fleischmarkt Samuel Becketts „Endspiel“ in der Inszenierung von Herbert Wochinz. Für den Meister der Frankfurter Schule war dies eine Initialzündung. Adorno schreibt an Max Horkheimer: Das ist wirklich eine besondere Sache, die sie unbedingt lesen müssen … allein schon deshalb, weil gewisse Intentionen mit den unseren sehr zusammenhängen. Ein Kapitel nachhaltiger Wirkungsgeschichte hat diese Aufführung aufgeschlagen. Adorno hat den Impuls aufgenommen und verarbeitet. Bei genauerer Hinsicht ergeben sich noch weitere, wenn auch nicht absichtlich losgetretene Resonanzen. Nach einem Jahr Theater am Fleischmarkt entzog Manfred Mautner Markhof die erforderlichen finanziellen Mittel und die Theatertruppe zog nach Kärnten weiter. Wiederum kurze Zeit später wurde der Maria Saaler Tonhof mit der Oper „Köpfe“ von Thomas Bernhard und Gerhard Lampersberg bespielt. Es dirigierte Friedrich Cerha. Bernhard ist nicht unbedingt für seine (literarischen) Komplimente bekannt. Nicht getadelt, ist bei ihm schon fast gelobt. Bestätigt ist, dass Thomas Bernhard bei fast allen Proben für die Kammeroper „Köpfe“ anwesend war und sich positiv über Wochinz´ Regiearbeit geäußert hat, sodass es am 22. Juli 1960 zur Uraufführung kommen konnte. Bernhard hatte verschiedene Male das Theater am Fleischmarkt besucht. Unter anderem sah er Genets „Die Zofen“ und ließ sich vom Stück für „Ein Fest für Boris“ inspirieren. In den 90erJahren kam es zwar zu mehreren telefonischen Kontaktgesprächen zwischen Bernhard und Wochinz, eine weitere Zusammenarbeit erfolgte jedoch nicht. Auch mit Gerhard Lampersberg schien sich ein gemeinsames Projekt anzubahnen. Dem Autor dieser Zeilen stellte der Komponist 1988 die Märchenvorlage „Das kleine Chinesenfräulein und die Nachtigall“ zur Verfügung. Daraus entstand ein Szenario und der Plan ein Studioballett zu machen. Entweder das große Haus oder gar nichts, entschied Lampersberg. Das große Haus war ausgebucht. Ein Fall für die Schublade. Theater und seine Möglichkeiten gehen vom Kopf aus. Manchmal bleiben sie auch dort. Aber nie ohne die Faszination des Möglichen, die Vorfreude auf das Unglaubliche, das Geschehen des Phantastischen und der Wahrscheinlichkeit, eine Zukunft zu erahnen, die durch das Geschehen auf der Bühne um ein Stück menschlicher wird. Wie am Beispiel Goldoni zu bemerken ist, entspringt Theater aber auch einem Bauchgefühl. Es wird so zum Diener zweier Herren, dem spontanen, manchmal improvisierten Stegreifspiel, wie es Studenten auf den Wanderbühnen praktizierten und der herausfordernden, ironisch eingefärbten Kritik an den Allzuklugen, den Reichen und Mächtigen. Siegreich hervor aus all den Querelen gehen Harlekin und Colombine, Zanni und Pulcinella, die nicht kleinzukriegenden Überlebenskünstler. All das sind auch die Grundelemente, die Herbert Wochinz in seinen Komödieninszenierungen intuitiv einsetzte und sich ihnen unterordnete. Eine Ahnung von Leichtigkeit und ein Lächeln über MenschlichesAllzumensch-liches bleibt und wärmt die Seele. Vertrauen in die eigenständig freie Gestaltungskraft der Mimen mit wenigen feinen Korrekturen und größtmögliche Nähe zum Autor, waren die Eckpunkte in den Inszenierungen von Herbert Wochinz, für den die Maxime galt: Heute Avantgarde sein heißt, gegen die Moderne auftreten. Und gegen deren Auswüchse. Keine Kompromisse zu einer aus den Fugen geratenen Zeit. Es wird mit dem Wagemutigen, den Verzweifelten in ihrem Kampf gegen Widrigkeiten und Intrigen, gegen die Absurdität des Lebens gelacht. Das Lachen über die Schwächen ist aber ein versöhnliches Lachen: So ist das Leben! Elias Canetti, Wegbegleiter und Freund des Prinzipals meinte einmal, die Aufgabe der Kunst sei es, dem Menschen den Zugang zum Nichts zu verwehren, in dem er sich einzurichten gewillt ist. Das ist Herbert Wochinz gelungen. Dr. Günter Schmidauer ist Essayist, Dramatiker, Lyriker und Romanautor Herbert Wochinz: Hüter der Verwandlungen Alles auf Anfang – Eine kulturelle Neuorientierung Kaum taucht ein finanzielles Problem im Staat auf, kommt der nächste Belastungsvorschlag. Die Menschen sollen einfach länger arbeiten. Wifo-Chef Gabriel Felbermayr fordert ein Pensionsantrittsalter von 67 Jahren und eine Koppelung an die Lebenserwartung. Für viele Arbeitnehmer klingt das nach einer weiteren Zumutung. Länger hackeln, später in Pension und das trotz jahrzehntelanger Beitragszahlungen. Dass das Pensionssystem vor Herausforderungen steht, ist unbestritten. Doch daraus automatisch abzuleiten, dass künftig alle bis 67 arbeiten müssen, ist einfallslos und unsozial. Wer jahrzehntelang gearbeitet hat, sollte seinen Lebensabend genießen können, statt bis zum Umfallen am Arbeitsplatz festgehalten zu werden. Abgesehen davon ist die Anhebung des Pensionsantrittsalters nichts anderes als eine Pensionskürzung. Und zwar doppelt. Einerseits hat man so weniger Ruhestandsjahre, andererseits werden wohl die Meisten keinen Arbeitgeber finden, der sie bis 67 beschäftigt. Das bedeutet aber dann Arbeitslosigkeit und somit weniger Geld. Länger leben bedeutet schließlich nicht automatisch, länger gesund und körperlich belastbar arbeiten zu können. Für Bauarbeiter, Pflegekräfte oder Menschen in körperlich anstrengenden Berufen ist die Vorstellung einer Pension mit 67 besonders realitätsfern. Statt die ältere Generation immer stärker zu belasten, braucht es eine starke Wirtschaft, mehr Beschäftigung und eine Familienpolitik, die wieder mehr Kinder ermöglicht. Die demografischen Herausforderungen lassen sich nicht lösen, indem man jene bestraft, die das Land jahrzehntelang aufgebaut haben. Pensionisten sind kein staatlicher Bankomat. Wer ein nachhaltiges Pensionssystem will, muss Wirtschaft und Familien stärken und darf den wohlverdienten Ruhestand nicht zum unerreichbaren Luxus machen. Pension mit 67? Rechnung zahlen die Älteren 67 – das künftige Pensionsantrittsalter als politischer Drahtseilakt? Jedenfalls nicht für Wifo-Chef Felbermayr © Foto: Alexander Müller | www.alexandermüller.at © MARTIN STICKER Kärntens Ausgehuniformen bleiben blau. Unsere blaue Uniform ist weit mehr als nur ein Kleidungsstück – sie ist ein sichtbares Zeichen unserer über 100-jährigen Feuerwehrtradition und ein Stück Kärntner Identität!“, erklärt Kärntens Landesfeuerwehrkommandant Ing. Rudolf Robin. Der engagierte „Vollblut-Florianijünger“ stellt sich damit gegen immer wieder auftauchende Bestrebungen des Bundesfeuerwehrverbandes, der für ganz Österreich weiterhin eine einheitliche Uniform anstrebt. Bekanntlich tragen die freiwilligen Helfer in allen anderen Bundesländern braune Röcke. „Natürlich wissen wir, dass es auf österreichischer Ebene immer wieder Versuche nach einer einheitlichen Uniformierung gegeben hat. Diese Diskussion ist nachvollziehbar. Aber Einheitlichkeit darf nicht bedeuten, gewachsene Traditionen ohne Not aufzugeben“, stellt der sympathische Gailtaler klar. Und er meint: „Unsere Geschichte zeigt, dass die Kärntner Feuerwehren bereits seit dem 19. Jahrhundert die blaue Uniform tragen und sich schon bei früheren Umfärbe-Bestrebungen bewusst für die Beibehaltung von Blau entschieden haben.“ Besonders eindrucksvoll war die Befragung der Kärntner Wehren in den 1960er-Jahren: 94 Prozent sprachen sich für den bisherigen „feschen“ Rock aus. Ein Beleg für die Farbe der Kärntner findet sich in den Statuten der FF Hermagor vom 1. Juni 1877, in denen eine dunkelblaue Bluse vorgeschrieben wurde. Die Retter in unserem Bundesland haben also nicht die Farben gewechselt, sondern das elegante Blau beibehalten. Robin: „Diese Uniform ist nicht nur eine Frage der Farbe oder des Geschmacks, sondern Teil unserer Feuerwehrgeschichte.“ Es gäbe auch militärische Vorbilder, etwa durch die Bergmütze und das Edelweiß. Das Edelweiß wurde von den Florianijüngern von der k.k. Gebirgstruppe übernommen und steht symbolisch für Mut. Möglicherweise wurde der blaue Feuerwehrrock direkt vom k.u.k. Infanterieregiment, das auch Löscharbeiten durchführte, übernommen. Kostenfrage Schon 1935 regte der Feuerwehr-Reichsverband an, aus Gründen der Einheitlichkeit bundesweit auf Braun umzustellen. Kärnten folgte dieser Empfehlung nicht. 1948 forderte der Bundesverband erneut einheitliche braune Blusen. Auch diesmal blieb Kärnten bei Blau. Braun wurde zur überregionalen FF-Uniformfarbe. In den 60-er-Jahren kam der Änderungswunsch von den Kärntnern selbst. So wurden die Wehren befragt und 94 Prozent wollten die bisherige Ausführung beibehalten. Nur sechs Prozent sprachen sich für eine Umstellung auf Braun aus. Schließlich war und ist das auch eine Kostenfrage. Trotz des politischen Umbruchs im Jahre 1935 hielt man an der ausgesuchten Kärntner Farbe fest. Mittlerweile tragen viele Einsatzkräfte in Nachbarländern blaue Oberteile. Im Gegensatz zur schneidigen Ausgehuniform ist die praktische Einsatzbekleidung beinah einheitlich. Die typische Einsatzbekleidung wird durch Schutzfunktionen, Sichtbarkeit, Material, Normen und Einsatzzweck bestimmt. Der Landesfeuerwehrkommandant, dem das Rettungswesen ein Herzensanliegen ist und der sich für 396 Freiwillige Feuerwehren, 29 Betriebswehren und eine Berufsfeuerwehr sowie über 20.000 aktive Feuerwehrleute einsetzt, abschließend: „Die Kärntner Feuerwehren stehen fest zu ihrer Tradition – und diese Tradition trägt Blau!“ Wenn auch eine Vereinheitlichung nachvollziehbar erscheint und es immer wieder „Umfärbungsversuche“ gäbe, ist die Verbundenheit zur schönen Farbe blau regelrecht spürbar, so der Kommandant. H. Raffer www.das-kaernten.at Landesfeuerwehrkommandant: „Unsere Uniformen bleiben blau!“ Kärntens Feuerwehrchef Ing. Rudolf Robin erteilt möglichen „Umfärbeplänen“ klare Absage. Braune Röcke nicht vorgesehen. Landesfeuerwehrchef Ing. Rudolf Robin: „Wir stehen zu unserer Tradition und tragen weiterhin den blauen Rock!“
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