Das Kärnten - E-Book

das KÄRNTEN AKTUELL 11 Sie sind Außenseiter unserer Wohlstandsgesellschaft und finden kaum wieder einen Platz im „normalen“ Alltag: Obdachlose, im Volksmund „Sandler“ genannt. Jetzt schlägt die Caritas Alarm. Die Zahl der wohnungslosen Menschen explodiert, die Versorgung dieser Gruppe wird immer problematischer. Bei der Klagenfurter Notschlafstelle „Eggerheim“ mussten bereits mittellose Personen bei der Suche nach einem warmen Bett und einer vorübergehenden Bleibe abgewiesen werden! Und die Landeshauptstadt und das Land streiten darüber, wer notwendige Zuschüsse beisteuern soll. Das ist, wie Sozialarbeiter meinen, ein echtes Armutszeugnis für die Politik. Und das in einem der reichsten Länder der Welt! Neben den klassischen „Clochards“, die seit Jahren auf der Straße ums nackte Überleben kämpfen, verlieren immer mehr Kärntner über Nacht das eigene Dach über dem Kopf. Die Gründe: Plötzlicher Jobverlust, Delogierungen, körperliche und seelische Erkrankungen, steigende Energiekosten, teure Lebensmittel, Scheidungen, Abhängigkeit von Suchtmitteln, teure Mieten, hohe Schulden und kaum leistbarer Wohnraum. Haftentlassene finden selten eigene „vier Wände“. Gegen diese entmutigende Abwärtsspirale kämpft auch die Volkshilfe Kärnten – etwa mit der Wohnungslosenhilfe, mit dem Projekt „Sozial betreutes Wohnen“ und einer „Frauennot-Schlafstelle“. Freie Kapazitäten sind auch dort Mangelware. Der Präsident der Volkshilfe Kärnten, Ewald Wiedenbauer, zitiert den ungarischen Dichter Alesander Lenard: „Obdachlos zu sein wäre gar nicht so schwer, wenn es die Nacht nicht gäbe“. Und Kärntens Volkshilfe-Geschäftsführer Jürgen Pfeiler fordert dringend „mehr leistbaren Wohnraum“. Pfeiler: „Wenn sich die persönliche Situation für einen Menschen schlagartig verschlechtert, kann man von einer Minute auf die andere auf der Straße stehen!“ Manche Leute denken freilich, dass „so etwas nur anderen Personen passieren kann“, so ein Sozialarbeiter und ergänzt: „Dabei ist niemand vor so einem bitteren Schicksal gefeit …“ Grenze der Belastbarkeit Das Klagenfurter „Eggerheim“ der Caritas, das Sozialberatung, Wohnungslosenhilfe und Notversorgung zugleich anbietet, verzeichnete in den letzten Jahren einen dramatischen Anstieg der Hilfesuchenden – nicht nur im Winter, wo Unterstandslose trotz Kältetelefons auf Parkbänken zu erfrieren drohen. Dieses Heim ist das einzige dieser Art in Kärnten und auch auf Spenden angewiesen. So übergaben Mitglieder des Vereines „Club 41 Wörthersee“ eine ansehnliche finanzielle Spende. Ohne private Zuschüsse müsste diese wichtige Einrichtung längst schließen. Den jährlichen Kosten von rund 900.000 Euro für die Versorgung von rund 1000 Personen stehen öffentliche Mittel von etwa 440.000 Euro gegenüber. Laut Caritas-Direktor Ernst Sandriesser sei man an der Grenze der Belastbarkeit angekommen. Die Stadt fordert mittlerweile mehr Geld vom Land oder zusätzliche Einrichtungen in den Bezirken. Laut Heimchefin Katrin Starc musste man bei Einzelfällen schon auf alternative Unterkünfte ausweichen. Leider verzeichnen soziale Organisationen eine zunehmende Gewalt gegenüber „Landstreichern“. So wurden bereits Steine auf das „Eggerheim“ geworfen, Unterstandslose grundlos beschimpft und attackiert. Sandriesser: „Immer mehr Männer und Frauen verlieren aufgrund der Teuerung ihr Zuhause. Sie haben oft nicht einmal mehr das Nötigste zum Leben.“ Wer kann sich noch erinnern? Vor Jahrzehnten hat der Klagenfurter Gemeinderat sogar eine „Sandler-Verordnung“ beschlossen. Gegen eine „Verschandelung des städtischen Landschaftsbildes.“ Ein armes Schwein … Der Schreiber dieser Zeilen hat als junger Reporter der mittlerweile eingestellten „Kärntner Tageszeitung“ als „Sandler“ verkleidet im Klagenfurter Obdachlosenheim genächtigt, das sich damals noch in der Bahnstraße hinter dem Hauptbahnhof befand. Dort traf ich Gestrandete, Verzweifelte, Kranke und Betrunkene. Manch einer hatte schon bessere Zeiten gesehen. Etwa ein erfolgreicher Unternehmer und Familienvater, der nach der Scheidung dem Alkohol verfiel und auf der Kehrseite des Lebens landete. Damals zahlte ich für die Nächtigung zwei Schilling – Übernachtungsgebühr und Reinigungszuschlag (für Bettwäsche, ein gestreiftes Nachthemd, Plastiküberzüge und ein Paar Pantoffel). Ermäßigungen gewährte das Fürsorgeamt. So konnte ich an einem Novembertag meine abgewetzten Schuhe, mein geflicktes Hemd und einen zerknautschen Regenmantel ablegen. Im Aufenthaltsraum wurde ich von den Anwesenden rasch akzeptiert, war sofort ein Kumpel, ein armes Schwein. Ich erhielt die Adresse eines Bauern, der immer wieder fleißige Helfer suchen würde und von einer Magd, die für einen Zwanzger ... Um 20 Uhr mussten wir laut Vorschrift im Bett sein, um sechs Uhr raus. Überwacht von einem Aufseher samt Hund. Man nannte mich den „Langen“. Als einige der Asylinsassen bereits in ihren Stockbetten schliefen und ein regelrechtes Schnarchkonzert begann, sagte eine leise Stimme: „Da Hanse ist am Häusl eingeschlafn“. Mehrere Obdachlose erhoben sich von ihren Schlafstellen, trugen ihren verschlafenen Kumpel vorsichtig ins Zimmer und deckten ihn sanft zu. Der gute Mann hätte sonst gegen die strenge Heimordnung verstoßen und einen Verweis riskiert. Frühstück und Abendessen gab es im Asyl nicht. Freilich fanden sich auch „Landstreicher“, die sogar in der „Sandler-Hierarchie“ ganz unten angesiedelt waren: Berufslose Halbstarke mit Nazi-Träumereien und ewig polternde, manchmal sogar gewaltbereite Alkoholiker. Wie „Sandler“ sich liebevoll um einen Schicksalsgefährten, der plötzlich am WC eingeschlafen war, gekümmert haben, werde ich nie vergessen. So eine fürsorgliche Aktion findet man kaum in der sogenannten „besseren Gesellschaft“. So formulierte einmal der tschechische Schriftsteller Pavel Kosorin: „Es ist besser obdachlos, als hoffnungslos zu sein.“ H.Raffer Die Zahl der Obdachlosen steigt: Kaum Platz für ein warmes Bett! Das Klagenfurter„Eggerheim“ musste bereits mittellose Personen abweisen. Gewalt gegen„Sandler“ nimmt erschreckend zu. Harald Raffer tauchte für Reportagen entsprechend verkleidet immer wieder in die bedrückende Welt der Außenseiter ein – als „Obdachloser“ im Asyl, als „Bettler“ (Foto) in Klagenfurt, als „Gastarbeiter“ auf Jobsuche in Kärnten oder als „Häftling“ im Polizeiknast. Fazit: Wer als „Sandler“ lebt, kennt Wohlstand nur vom Hörensagen. Ein hartes Schicksal für Betroffene. In Klagenfurt werden Stadtstreicher sogar attackiert … Foto: Raffer www.das-kaernten.at Die Klagenfurter Staatsanwaltschaft befasste sich kürzlich wieder einmal mit einer Strafanzeige nach dem Verbotsgesetz. So soll ein Mitarbeiter der Katholischen Kirche Kärntens einem Vertreter der slowenischen Minderheit schriftlich erklärt haben, dass er „Adolf Hitler dankbar sei“. Möglicherweise wegen der „Kirchensteuer-Einführung“ in Österreich durch die Nazis. Es gäbe nämlich, so der Kirchen-Mitarbeiter, in der Alpenrepublik ohnehin ein Finanzierungsproblem der Kirche. Der Klagenfurter Anwalt Farhad Paya, der den Vertreter der slowenischen Minderheit als Rechtsberater vertreten hat, informierte über diese heikle Causa sogar Justizministerin Anna Sporer, die Strafanzeige wurde allerdings eingestellt. Der Anwalt wundert sich darüber, weil Familienangehörige des Kärntner Slowenen durch die Hitler-Diktatur viel zu erleiden gehabt und einige von ihnen das Nazi-Gräuel nicht überlebt hätten. Paya verweist in diesem Zusammenhang auch auf ein Dekret des als heilig bezeichneten Offiziums gegen den Kommunismus vom Juil 1949 und Weisungen des Ordinariats, in denen kommunistische Parteien, insbesondere Mitglieder der demokratischen Front, aber auch Leser des „Volkswillens“ und des „Slovenski vestnik“ exkommuniziert werden. Diese ungewöhnliche Exkommunikation wurde, so der Jurist, bis heute von keinem Bischof widerrufen. Die Kärntner Anklagebehörde recherchierte auch in einem anderen Fall – es ging erneut um mögliche „NS-Wiederbetätigung“. So soll ein mittlerweile pensionierter ranghoher und bekannter Magistratsbeamter bei einer öffentlichen Veranstaltung mit einem Hitlergruß (ausgestreckter rechter Arm) aufgefallen sein. Das konnte man sogar auf einem Bild erkennen. Der Betreffende rechtfertigte sich damit, dass er lediglich den Friedensgruß von Winnetou, dem Häuptling der Apachen, gezeigt hätte. Ein Indianer-Willkommenszeichen bei einer Klagenfurter Feier? Howgh. Die Anzeige wurde eingestellt. Seit einigen Wochen ermittelt die Polizei nach einem Ostertanz einer Kärntner Landesjugendgruppe im Bezirk Völkermarkt. Ein Bild, das mit einer Fotobox aufgenommen worden ist, zeigt einen Mann, der eine Frau küsst und seinen rechten Arm zum Hitlergruß erhebt. Im Vorjahr gab es einen ähnlich gelagerten Fall im Raum Feldkirchen. Die Tanzgruppe distanziert sich von dem Vorfall und verweist auf eine „Nulltoleranzpolitik“. Politiker haben sich dazu geäußert und festgehalten: „Wer den Hitlergruß zeigt, verherrlicht ein menschenverachtendes Regime“. Wer wird ORF Kärnten-Chef? Während man im Kärntner ORFLandesstudio noch nach einem Nachfolger (einer Nachfolgerin) von Landesdirektorin Karin Bernhard sucht, kommt der Staatsfunk am Wiener Küniglberg trotz geschlagener ORF-Wahlschlacht mit 13 Kandidaten für den Generalsposten nicht zur Ruhe: ORF-Gagenkaiser Pius Strobl, der zudem eine Millionenpension fordert, wurde nach diversen Anschuldigungen „dienstfrei gestellt“. Der neu gewählte ORF-General hat alle Hände voll zu tun. Es geht um einen verordneten Millionen-Sparkurs, gestrichene Förderungen, eine echte Neuausrichtung und ein besseres Image der Führungsmannschaft. Es war auch kein Ruhmesblatt für den ORF, wenn er, wie der „Standard“ berichtete, auf einem Sender eine Erwin-Pröll-Lobhudelei-Sendung ausgestrahlt hat – mit Kostenbeteiligung einer „schwarzen“ Organisation! Berechtigte Kritiken am Ex-LH aus Niederösterreich suchte man dabei vergeblich. Verärgert sind auch Sport-Fans, weil Neffe Josef Pröll (den Kärntnern in der Hypocausa noch in schlechter Erinnernung) als VP-Ex-Vizekanzler den Job eines Fußballpräsidenten ausübt und mit Star-Trainer Ralf Rangnick über einen Bleib-dochbei-uns-Vertrag verhandelt. Josef Pröll, dem besonders freundliche Kontakte zur WK-Präsidentin Martha Schulz nachgesagt werden, ist übrigens Vater von Staatsekretär Alexander Pröll. Eine wirklich „nette“ Familie! Zur Erinnerung: Ralf Rangnick trainierte im Vorjahr mit dem SV Wernberg, auch mit dem Wörthersee-Stadion hat der erfolgreiche Team-Chef bei einem Trainingscamp Bekanntschaft gemacht. Angeblich träumt der Kärntner Ärztekammerdirektor Klaus Mitterdorfer von einem Comeback als Präsident des Österreichischen Fußballverbandes. Ob Multifunktionär Pröll deshalb zittert? Träumen wird man wohl noch dürfen … Tja, Klagenfurt und seine Magistratsdirektoren (und -innen): In der Wörthersee-Stadt gibt es immer noch keinen Vize-Magistratsdirektor. Für KABEG-Manager Florian Kür heißt es weiterhin „bitte warten“. Angeblich trainiert er das lange Warten schon in einer Spitals-Ambulanz. Ein anderer Beinah-Magistratsdirektor, nämlich Jürgen Dumpelnik, klagt die Stadt, weil er mit seiner Bewerbung abgeblitzt ist. Er bemüht sich derzeit um einen Top-Job in der Steiermark. Und immer wieder tauchte bei den verschiedensten Geschichten der Stadt zuletzt ein Name auf – bei den Stadtwerken, der Stadt mit Bürgermeister Scheider, bei der Austria Klagenfurt, bei einem Wörthersee-Inselkauf und bei einem ausländischen „GoldGeschäft“: Steuerberater Ulrich Kraßnig. Ein wirklich vielseitiger Mann eben…. Wörthersee-Wellen Grüße an den Führer …

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