Das Kärnten - E-Book

das 14 KÄRNTEN GARTENTIPP Es gibt Gartenbesuche, bei denen man nicht nur schaut, sondern sofort begreift, dass nicht der Augenblick zählt, sondern das, was bleibt. Im Schaugarten der Gartenbauschule Langenlois war es so ein Moment: Helmut Schieder, Praxislehrer an der Schule und Leiter des Schaugartens führt durch eine Welt aus Stein. Handwerk, das uralt ist, aber zugleich überraschend modern wirkt. Kein Zement, kein Mörtel, kein Kleber – nur sorgfältig gesetzte Steine, die sich gegenseitig tragen. Was auf den ersten Blick schlicht aussieht, ist in Wahrheit hohe Baukunst für Jahrhunderte: Trockenbau, wie ihn schon Generationen vor uns beherrscht haben. Als Vorbilder nannte Schieder unter anderem irische Steinbauten: jene bienenkorbähnlichen Formen, die mit jeder Lage enger werden und am Ende ganz ohne Dachstuhl schließen. Ein Gartenhaus für ewig … Das Prinzip ist einfach, aber nicht simpel: Jeder Stein muss sitzen, Last aufnehmen und an den nächsten weitergeben. So entstehen Mauern, Brücken, Sitzplätze, Außenküchen oder Griller, die nicht als Fremdkörper wirken, sondern wie selbstverständlich in den Garten hineinwachsen. Der große Reiz solcher Steinbauten liegt in ihrer Lebendigkeit. Wo sonst Mörtel alles verschließt, bleiben hier Fugen offen. Dort siedeln sich Hauswurz, Mauerpfeffer, Thymian oder kleine Farne an; Insekten finden Unterschlupf, Eidechsen wärmen sich auf. Eine richtig gebaute Trockenmauer ist daher nicht nur Gestaltungselement, sondern ein kleines Biotop. Wichtig ist ein tragfähiger Untergrund, ein gut verdichtetes Bett aus Bruchsteinen, dann große Steine unten, kleinere darüber und eine leichte Neigung zum Hang, wenn die Mauer stützen soll. Das Wichtigste: Der Garten soll nicht nach einem Katalog eines Baumarktes aussehen, sondern nach gewachsenem Ort. Deshalb passen regionale Steine am besten. Wer mit Stein baut, braucht Geduld und ein gutes Auge. Man probiert, dreht, klopft nach, legt wieder weg – bis der Stein seinen Platz gefunden hat, denn gerade darin liegt der Charme: Kein Bauwerk gleicht dem anderen. Das Schönste: Steinbauten altern würdevoll. Moos, Wärme, Schatten und Pflanzen verändern sie von Jahr zu Jahr. So wird aus Steinen ein Stück Gartengeschichte – Stein auf Stein, ganz ohne Mörtel, aber mit viel Gefühl. 7 Tipps für Steinideen im eigenen Garten 1. Klein beginnen: Erst eine niedrige Kräutermauer oder Beetkante bauen, bevor man sich an Stützmauern wagt. 2. Regionale Steine verwenden: Sie wirken natürlicher und passen besser zu Haus, Boden und Landschaft. 3. Fundament nicht sparen: Ein verdichtetes Bett aus Bruchmaterial verhindert Setzungen und leitet Wasser ab. 4. Steine verschränken: Fugen nie übereinander setzen, sondern jede Lage versetzt bauen. 5. Pflanzen gleich mitdenken: Polsterstauden, Kräuter und Hauswurz schon beim Bau in passende Spalten setzen. 6. Nischen planen: Kleine Sitzplätze, Holzablagen oder Kräuterfächer machen Mauern praktisch. 7. Höhe respektieren: Hohe Stützmauern gehören in erfahrene Hände; im Garten reichen oft schon 40 bis 80 Zentimeter für große Wirkung. Seminar für Steinbauer In der Gartenbauschule Langenlois in NÖ findet vom 27. bis zum 31. Oktober 2026 ein Trockenstein-Workshop mit Steinkünstlern aus ganz Europa statt. Infos und Anmeldungen unter baf@gartenbauschule.at. Gartengeschichte Vom Regen in den goldenen Herbst Wer glaubt, Gartenreisen bestünden nur aus blauem Himmel, Rosenduft und Strohhut, der war vermutlich noch nie wirklich unterwegs. In Wahrheit gehört zum echten Gartenabenteuer auch der Regenschirm. Und manchmal die Daunenjacke. Im September heißt es dann halt: Man fährt zur Blütenpracht – und landet beim Zwiebellook. So war es auch bei unserer Reise nach Niederösterreich: Safranmanufaktur, Naturteiche, Schaugärten – und schließlich die Gartenbauschule Langenlois. Dort standen wir vor Steinen, die nicht einfach herumlagen, sondern zu Denkmalen wurden: als Mauern, Brücken, Griller und kleinen Kunstwerken. Der Himmel spielte zunächst brav mit, doch dann kam das in diesem Jahr ersehnte Wetterfinale: Immer mehr schwarze Wolken, Donnergrollen– und der Regen prasselte herunter. Nur: Die Stimmung fiel nicht ins Regenfass. Im Gegenteil. „Endlich Wasser!“, hieß es von allen Seiten. In einer Gegend, die heuer schon viel zu lange auf Regen gewartet hatte, war der Guss fast so willkommen wie der Spritzer nach der Gartenführung. Am nächsten Morgen tat der Herbst dann, was er am besten kann, wenn er gut aufgelegt ist: Er vergoldete alles. In der Arche Noah sahen wir, wie alte Gemüse- und Obstsorten für kommende Generationen bewahrt werden – also nicht nur Nostalgie fürs Hochbeet, sondern gelebte Zukunft von engagierten Mitarbeitern, die oft ganz andere Berufe erlernt hatten, sich aber nun ganz und gar dem Sortenerhalt verpflichtet fühlen. Und unter alten Kirschbäumen schmeckte dann eine köstliche Gartenjause – in der Sonne. Da weiß man wieder: Das große Gartenglück muss nicht am anderen Ende der Welt warten. Manchmal liegt es gleich ums Eck – mit Regen, Sonne und regionalen Köstlichkeiten, die alles wieder gut machen. Gartenfragen Wir werden dieses Jahr von den Wühlmäusen regelrecht überfallen. Funkien praktisch ohne Wurzeln – und die Herbstanemone finden wir gar nicht mehr. Was sollen wir tun? Fallen („Top Cat“) sind die erste Maßnahme. Zukünftig beim Pflanzen Wühlmauskörbe aus verzinktem Sechseckgeflecht (Plastik bringt nichts) verwenden und mit dem Mittel Protect-M mehrmals sprühen. Viele hatten großartige Erfolge. *** In unserem Garten ist zwischen den Pflasterplatten nur noch Löwenzahn zu finden. Die ewige Zupferei nervt … Hatte ähnliche Probleme, obwohl ich die Wildkräuter liebe – aber halt nicht überall. Daher flämme ich zwei, drei Mal im Jahr (wenn es nicht zu trocken ist – Brandgefahr!) und hab damit das Problem einigermaßen im Griff. *** Ein 12 Jahre alter Nussbaum muss wegen einer Baustelle umgesetzt werden – hat das Sinn? Schwer zu sagen, aber probieren würde ich es – ganz spät im Jahr oder zeitig im Frühjahr. Schon jetzt stark zurückschneiden. Problem: die wichtigen Faserwurzeln sind weit vom Stamm weg. Also Überlebens-Chancen schätze ich bei 20 Prozent … Gartenkalender Herbstliche Gartenzeit Jetzt Blumenzwiebeln setzen, letzte Stauden teilen, Rasen noch einmal mähen und Laub nicht überall wegräumen – unter Sträuchern ist es bester Bodenschutz. Empfindliche Kübelpflanzen langsam ins Winterquartier bringen, reife Äpfel laufend ernten und freie Beete mit Kompost versorgen oder mit Gründüngung einsäen. Und dran denken: bald beginnt die beste Pflanzzeit für alle Gehölze: Rosen, Beeren, Hecken, Bäume – wurzelnackt. Das lässt sie leichter transportieren und oft gibt’s tolle Rabattaktionen zum Gartenjahrfinale. Im Zimmer die Pflanzen nun möglichst hell aufstellen, die Tage werden kürzer. Der Hunger der (meist tropischen) Zimmerpflanzen nach Licht ist groß. Daher die glatten Blätter, wie von der Monstera, dem Gummibaum oder dem Ficus benjamini immer abwischen und den Staub entfernen. Faszinierende Welt aus Stein sieht zuerst recht simpel aus Dahinter steckt in Wahrheit aber jahrhundertelange Baukunst, wo jeder Stein sitzt, Last aufnimmt und an nächsten weitergibt. Der Pflanzenflüsterer und Biogärtner Karl Ploberger Brü ckenbauten bedü rfen besonderer Kunst Fotos beigestellt Die Outdoor Steinkü che als weiteres Beispiel ... Ein Schiff wird kommen – überraschend ganz aus Stein ... Helmut Schieder, Praxislehrer & Steinkü nstler par excellence Steinbauten wie in Irland – in Langenlois zu sehen © Christoph Böhler

RkJQdWJsaXNoZXIy NDYxMjE=